k r e u z b e r g

Wer heute auf die geschäftige Metropole Berlin blickt, dem bleibt leicht verborgen, wie jung diese Domäne wirklich ist. Berlin wie wir es heute kennen entstand erst in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Davor war das, was man „Berlin“ nannte, im Kern nur der heutige Stadtteil Berlin-Mitte. Die anderen Bezirke gab es nicht, denn sie waren unabhängige Städte – einige davon von großer Bedeutung, wie Spandau, die Hauptstadt des Havellandes – oder ein Flickenteppich kleinerer Dörfer und Gutssitze, die zu neuen Bezirken vereint und an Berlin angegliedert wurden.

Ebenso wie Berlin die längste Zeit seines heute über 770-jährigen Bestehens ein langsam entstehender Ballungsraum unabhängiger Städte war, bestand auch in der Nacht die Gegend über viele Jahrhunderte aus einer Nachbarschaft unabhängiger Domänen – und Prinzen! – die sich mal besser, häufiger aber noch schlechter untereinander verstanden.

Eine Art Gründungsakt für die eine, vereinte Domäne Berlin ist die Errichtung des Nationaldenkmals auf dem Kreuzberg im damaligen Niemandsland zwischen den unabhängigen Domänen Berlin, Köpenick und Tempelhof sowie den zu jenem Zeitpunkt bereits vom Berliner Prinzen de facto „übernommenen“ Regentschaften der bis vor Kurzem freien Domänen Friedrichstadt und Luisenstadt.

Die Euphorie der Befreiungskriege hatte wenigstens einige der Prinzen des Berliner Raumes angesteckt und dazu bewogen, dem Drängen des Berliner Prinzen zur Gründung einer regelmäßigen Versammlung der Ältesten (= Prinzen) des Raumes nachzugeben.

Als jene Kreuz-Gerusia einmal geschaffen war, konnten es sich die verbliebenden Prinzen von Spandau, Charlottenburg und Schöneberg nicht leisten, an jenen Versammlungen nicht teilzunehmen, wodurch ein erstes „gesamtberliner“ Gremium geschaffen wurde, das – mit Unterbrechung zu Zeiten der Mauer – bis in heutige Nächte Bestand hat.

So finden bis zur heutigen Nacht die Versammlungen der verbliebenen Prinzregenten von Spandau, Charlottenburg und Köpenick sowie natürlich dem Berliner Prinzen und dem die Stadt überwachenden Archon (und Potsdamer Domänenherren) auf dem Kreuzberg oder in dessen unmittelbarer Nähe statt.


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