p r i n z
Die Geschichte einer Domäne ist stets die Geschichte ihres Prinzen. Er ist der blutrote Faden, der sich durch die Historie der Stadt zieht. Und damit auch den zukünftigen Entwicklungen im Spiel Relevanz und Stringenz verleiht. Im Vampire LIVE kommt es leider allzu oft vor, dass im Domänenhintergrund ein langjähriger Prinz definiert wird, der dann wenige Sessions nach Spielbeginn stirbt. Um von einer großen Zahl jeweils kurz im Amt bleibender, zunehmend unwichtigerer Prinzen ersetzt zu werden.
Um einerseits das Abgleiten Berlins in das „übliche“ Einerlei wechselnder Prinzenherrschaften zu verhindern, andererseits aber ein aktives Ringen auch um die Spitze der Domäne möglich zu machen, geht nachtsplitter einen recht einfachen Weg: Der Prinz taucht nie auf. Und was nicht auftaucht, kann auch nicht getötet werden.
Derjenige, der aktiv über Berlin herrscht und damit de facto der Prinz ist, wird Meister genannt. Er ist der vom Prinzen auserwählte und favorisierte der Berliner Prinzregenten – und der einzige, den der Prinz empfängt und dem er seinen Willen mitteilt. So ist der Prinz durchaus live im Spiel präsent – bleibt aber „unantastbar“.
Die politischen Intrigen mögen darin ihren Höhepunkt haben, dass ein despotischer Meister entmachtet und vernichtet oder durch einen anderen Prinzregenten zur Abdankung gezwungen wird: Erst nachdem die Last der Verantwortung auf den neuen Meister übergeht, wird dieser wissen, ob der dafür gezahlte Preis zu hoch war.
Der Prinz der Domäne ist ein Methusalem der Malkavianer, der schon seit dem Mittelalter in Berlin ansässig ist. Seine Präsenz im Raum Berlin ist der Grund, aus dem die Region sich erst so spät entwickelte. Wie viele andere Kinder des Mondes schloss sich der Berliner Prinz erst sehr spät der Camarilla an. Seine Aufnahme erfolgte aufgrund der blutigen Fehden, die er gegen die „eindringenden“ Ventrue in seinem Reich führte, gegen den energischen Widerstand west- und süddeutscher Ventrueahnen statt. Trotz diverser Verbrechen des Prinzen und anfänglicher Beteiligung auf Seiten der Anarchen wurde seine Aufnahme in die Camarilla akzeptiert, um eine Absicherung der Ostgebiete gegen den Sabbat zu haben, der weite Teile der slawischen Grenzgebiete übernommen hatte.
In der Folgezeit schuf der Berliner Prinz in der Ödnis der Mark sein eigenes Reich, dessen ganzer Zweck auf die Austilgung seiner Feinde und die Auflösung der Macht derselben in der Camarilla gerichtet war. Als die Halter seines Steigbügels erwiesen sich dabei zunächst die polnischen Tremere, die in den ersten Jahrhunderten der Camarilla noch erst dabei waren, ihren festen Platz unter den profanen Blutsaugern zu finden. Grob vereinfacht gesprochen paarten sich Größen- und Verfolgungswahn des Berliner Prinzen mit seinen Kräften, Menschen wie Vampire zu beherrschen, auf so ungeheure Weise, dass er mittelbar für zwei Weltkriege verantwortlich war – oder von seinen Feinden für diese verantwortlich gemacht wurde.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges galt der Berliner Prinz als vernichtet, seine Kerndomäne wurde zerspalten, die lange Zeit von ihm unterjochten Prinzen der früher unabhängigen Städte der Provinz Berlin feierten ihre Unabhängigkeit. Doch der Prinz erhob sich von Neuem, fegte das Regime des Ostens beiseite und es gelang ihm, gegen den erbitterten Widerstand seiner Feinde ein neues, geeintes Berlin unter seiner von Wahn gezeichneten Herrschaft zu schmieden und es sogar erneut zur deutschen Hauptstadt zu machen.
Jene Prinzen, deren Domänen im Feuerteppich des Zweiten Weltkrieges untergegangen waren, und viele andere Ahnen, die Freunde, Alliierte oder Kinder in der Bombenhölle des Krieges verloren hatten, drängten auf eine Konklave in Berlin, um der Bedrohung durch den Berliner Prinzen ein für allemal Einhalt zu gebieten. Am Ende der Konklave hatte der Prinz kraft seiner beherrschenden Kräfte seine Absetzung verhindert, doch verfügte der Innere Zirkel per besiegeltem Brief den Bann über Berlin, beschloss einen Hausarrest für den Prinzen, auf dass er sich in der Öffentlichkeit nicht länger zeigen könne, und erklärte den Namen des Prinzen zum verbotenen Wissen.
Seither wacht ein Archon von Potsdam aus über die Domäne Berlin, und jeder, der nach Berlin ein- oder auszureisen wünscht, hat dies durch seine Domäne und per seiner Erlaubnis zu tun. Berlin ist ein Gefängnis geworden. Und gemeinsam mit den anderen Kainskindern ist auch die schrecklichste Ausgeburt der Berliner Nacht in diesen kalten Mauern eingekerkert, das ist ihr Schöpfer und ihr Herr:
Rabak der Prinz.
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- Published:
- 22.5.2008 / 00:00:07
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- aas, berlin, live, maskerade, masquerade, midnight dance, nachtsplitter, vampire, vtm, wod, ww
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