über berlin

Berlin. Was habe ich über diese Stadt nicht schon gehört. Hauptstadt. Preußens Glanz. Bombenopfer. Straßensperren. Naziwahn. Moordorf. Barrikaden. Unerwünschte. Mauerstadt. Künstlerhort. Arbeiterghetto. Buchverbrennung. Reichskristall. Raubritter.

Wie – so fragte ich mich einst – muss der Prinz sein, der diese Stadt geschaffen hat? Wie sein Hof? Wie sein Gesetz? Durch die Jahrhunderte ist da diese drängende, treibende Kraft, die Berlin aus dem Nichts das es war zur Spitze getrieben hat. Von wo aus es drohte, Europa zu verbrennen – und mit ihm unzählige Domänen.

Ich hörte einst, Deutschland sei das Land der Ventrue. Und doch: Wohin auch immer ich ging, schnaubten die alten Geschlechter verächtlich, erwähnte man Berlin auch nur mit einem Wort. Provinznest. Emporkömmling. Schande des Landes.

Es ist schwer, Kontakt nach Berlin zu bekommen. So, als sei nicht nur der Westen, sondern die ganze Stadt von einer Mauer des Schweigens umgeben. Ich hörte, dass die Ältesten der Camarilla einen Bann über die Stadt gesprochen haben. Rache für Verwüstung. Quittung für Größenwahn. Dass man sie behütet, vor sich selbst. Dass man sie bewacht. Und dass die, welche dort hausen, Gefangene ihrer selbst sind. Ihr eigener Kreis. Ihr eigenes Schicksal. Herrscher der eigenen Stadt zwar, doch ebenso Sklaven dieser kalten Mauern.

Berlin. Kein schlechter Ort, um Gefangener zu sein. Und gefangen ist einer wie ich für alle Ewigkeit. Egal, wohin er geht. Unsere Freiheit ist Illusion. Wäre es da so falsch, diesem Wahn ins Gesicht zu sehen? Die Maske abzunehmen? Sich der eigenen Fratze zu stellen?

Ich bin erstaunt, dass ich so empfinde. Ich sollte älter sein. Kälter sein. Aber es ist noch Glut unter all der Asche. Draußen, vor dem Fenster meines Zugabteils, zieht Dunkelheit vorbei. Da ist nichts, zwischen hier und Berlin. Als würde das Land um Berlin selbst einen Bogen machen.

Ich ordne meine Notizen. Habe mein Empfehlungsschreiben dabei. Ohne dieses, sagte man mir, würde der Hüter der Domäne mich nicht einreisen lassen. Und gehen lassen die Archonten keinen, der einmal den Fuß nach Berlin gesetzt hat.

Berlin ist mein Exil. Das Ende meiner Reise. Mein Leben liegt eh in Scherben. Nur noch einmal will ich mich am heißen Schmerz der Nachtsplitter ergötzen. Ehe die Welt in Dunkelheit versinkt.

(Weitere Informationen über Berlin folgen, sobald das Spiel begonnen hat)



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